The Midget Magazine - Frankfurts Cityzin
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Gummibärchen,

d.h. genauer GOLDBÄREN von Haribo


Tja, hier kann ich mich endlich mal zu einem Thema auslassen, daß mir besonders am Herzen, bzw. auf der Zunge liegt: Gummibärchen. Natürlich die echten, "käuflichen" Goldbären von Haribo. Alles andere verdient den Namen "Gummibärchen" sowieso nicht und entspricht qualitativ schlecht verschnittenem Stoff.

Der echte Kenner besorgt sich die Dinger da, wo sie etwas teurer sind und deshalb länger im Regal liegenbleiben. Dann sind sie nämlich bereits hart, wenn man sie öffnet. Damit kommen wir nämlich auch schon im Prinzip zum wichtigsten Kriterium von den Bärchen: hart müssen sie sein, damit man richtig drauf rumkauen kann. Weiche sind höchstens als Einstiegsdroge zum Lutschen zu gebrauchen. Ähnlich wie gute Spagetti al dente sein müssen, sollten gute Bärchen ein gutes Stück darüber sein.

Was aber tun, wenn man doch mal weiche kauft oder soger kaufen muß, da andere gerade nicht verfügbar sind? Dann hilft nur eins: trocknen. Ich persönlich kaufe immer ein paar Packungen auf Vorrat, öffne alle und lasse sie so lange im Schrank liegen, bis sie den richtigen Biss haben. Das erfordert natürlich ein gerüttelt Maß an Selbstbeherrschung, da das leider bis zu einem halben Jahr dauern kann. Mindestens diese Zeit brauchen Gerüchte zufolge auch diese asiatischen Schwalbennester, die man mitsamt den Eiern einbuddelt und dann erst wieder herausholt, wenn alles gut angegammelt ist. Bei den Bären empfiehlt es sich allerdings, nicht so lange zu warten. Zum einen buddelt man sie nicht ein und außerdem setzen sie irgendwann Staub an, was dann dem Kauspaß doch einigen Abbruch tut. Und wenn man sie wäscht (Wasser pur verwenden, noch besser Mineralwasser) und etwas zu lange drin lässt, weichen sie wieder auf. Wenn man völlig auf Turkey ist, hilft es auch, die weichen Dinger dadurch zu verfeinern, daß man sie in den Kühlschrank legt. Das Eisfach hat sich dabei leider als eine zu extreme Maßnahme erwiesen. Aber eins sollte klar sein: Das ist natürlich nur eine Notlösung, wenn nichts anderes mehr geht oder die mühsam gehorteten und getrockneten ansonsten in Gefahr geraten, sonst vorzeitig gegessen zu werden. Einen Whiskey trinkt man ja auch nicht, bevor er zwölf Jahre gelagert hat. Er hat sonst nicht die gleiche Qualität. Die schnellgehärteten haben nämlich im Kern immer noch nicht den gleichen Biß wie langsam getrocknete.

Inzwischen gibts die Teile ja ohne Farbstoffe. Seitdem braucht man ein ziemlich gutes Auge, um die Geschmacksrichtung zu wissen, bevor man sich das Bärchen in den Mund setzt. Früher war alles einfacher. Mit den guten alten künstlichen Farbstoffen waren rote Bärchen noch richtig rot, gelbe noch richtig gelb und grüne noch richtig grün. Nur bei den weißen hat sich nix geändert. Die waren schon immer so. Ja, ja, die guten alten Zeiten. Aber da sieht mans: Selbst an den Bären sieht man den Werteverfall in unserer Gesellschaft, der es einem nicht gestattet, sich nach einfachen moralischen Grundsätzen zu verhalten. Die Grauzonen nehmen zu und damit die Unsicherheit. Vielleicht ist das ja ein guter Ansatz für eine neue Art von Versicherung, die einem bei falscher Wahl oder minderer Qualität entsprechend entschädigt. Nimmt man sie nicht in Anspruch, kann dann die Auszahlung eines Tages mittels kontrolliert gelagerter Bären mit garantierter Qualitätsstufe 1A erfolgen, sofern bis dahin endlich eine entsprechende EG-Norm den arglosen Käufer vor minderwertiger ausländischer oder falsch gelagerter Ware schützt.

Haribo Goldbären enthalten folgende Zutaten: Glukosesirup, Zucker, Gelatine, Traubenzucker, Säuerungsmittel: Zitronensäure, Fruchtzubereitung, Stärke, Aroma, Öl pflanzlich, Trennmittel: Bienenwachs. Alles, was ein Mensch braucht, um sich prächtig zu entwickeln. Auch noch im Alter. Wer braucht schon Tai-Ginseng oder andere evtl. sogar illegale Rauschdrogen, wenn man genausogut völlig legal in Gummibärchen beißen kann? Ohne Witz: Ein Arzt hat mir wegen meiner Gelenkprobleme sogar empfohlen, jede Menge Bären zu essen, da die Gelatine angeblich sogar die Gelenkschmiere wieder aufbauen kann. Ist allerdings unter den Herren in weiß eine umstrittene These.

Das Zeug wird von Haribo, D 53129 Bonn unters Volk gedealt. Und zwar in den Abgabegrößen 100g, 250g und 1000g. Die 250g-Packung ist der altgediente und bewährte Standard bei einschlägigen Großhandelsketten. Die 1000g gibts leider nur höchst selten. Mir ist bei der Metro mal ein Packen in die Hände gefallen. Solche Mengen sind eben nur für Wiederverkäufer gedacht, die dann die Bären wahrscheinlich einzeln zu 5Pf pro Stück verhökern. Ein echtes Drama sind die 100g-Einheiten, die sich vor allem bei Nachttanken, Autobahnraststätten und den Frankfurter Büdchen durchgesetzt haben. Da dies meist die einzige legale Bezugsquelle außerhalb der regulären Ladenöffnungszeiten sind, wird hier kräftig zugeschlagen. Nicht selten zahlt man dann für 100g mehr als sonst für 250g. Außerdem ist in den Packungen an den Tanken letztens ein unbeliebter Zusatzstoff namens BENZOL festgestellt worden, der bei erhöhtem Genuß aus diesen Quellen zum extrem vorzeitigen Ableben des Konsumenten durch Krebs führen kann. Diese Goldbären entsprechen dann wohl einem goldenen Schuß auf Raten. Gerüchte, daß sich die Tanken einen zusätzlichen Suchtfaktor und beschleunigte Abhängigkeit durch die Zugabe des Benzols versprechen und deshalb die Packungen extra eine Zeitlang neben den unterirdischen Tanks gelagert werden, entbehren anscheinend aber jedweder Grundlage. Dann gibts da noch diese Tüten, die viele kleine Tüten enthalten (aber dafür alle mit dem grünen Punkt versehen!). Diese sind wahrscheinlich erste Feldversuche, falls die Bären doch einmal auf dem Suchtindex des Bundesgesundheitsministeriums landen sollten. Die kleinen Packungen eignen sich nämlich prima zum Weiterverkauf an dunklen Straßenecken, in Discos und einschlägigen Verzehrtreffs. Auch zum Anfixen von Einsteigern sind sie prächtig geeignet, zB. bei Kleinkindern im Vorschulalter, die zu Hause nix Süßes kriegen und dadurch eine besonders anfällige Zielgruppe bilden. Als letztes wäre dann noch der stark verschnittene Typ zu nennen, wie zB. "bunte Mischungen". Zum Teil ist dort bis zum unerträglichen Maß von 1:20 heruntergegangen worden. Außerdem nehmen die Goldis häufig den Geschmack des anderen Süßkrams an. Von diesen Mischungen muß dringend abgeraten werden. Nicht selten hat der Schock beim Verzehr eines GBs, das nach Lakritz schmeckt zum totalen Verlust sämtlicher Geschmacksnerven geführt. Manchmal konnte den Unglücklichen in speziellen Kurkliniken aber geholfen werden. Die Rekonvaleszenzzeit ohne professionelle Hilfe kann allerdings Jahre dauern, weshalb ich hier obige Kliniken nur empfehlen kann, auch wenn die Kosten bisher von keiner Krankenkasse erstattet werden. Bei Interesse an entsprechenden Adressen von Kliniken und privaten Hilfsorganisationen sowie Selbsthilfegruppen bitte eine Mail an mich.

In 100g teilen sich die Bärchen auf die Farben wie folgt auf: weiß-rot: 15 gelb: 9 weiß: 7 rot: 7 grün: 6 orange: 4 gesamt: 48 Das sind natürlich keine repräsentativen Werte. Der allgemeine Eindruck, daß es mehr rote (bzw. rot-weiße) als andere Farben gibt, ist also nicht auf eine optische Täuschung zurückzuführen, sondern Tatsache. Leider. Eine statistisch abgesicherte Aussage ist dies wie oben erwähnt natürlich nicht. Ich würde aber bei einiger Unterstützung durch die Leser versuchen, eine genaue Erhebung durchzuführen. Wer Lust hat mitzuhelfen, kann mir ja schreiben.

Denn eins ist gewiß: Die besten Bärchen sind die Grünen. Und leider gibts keine Sortenreinen Packungen. Was soll das eigentlich? In unserer Wohlstandsgesellschaft gibts jeden Kram in allen möglichen Varianten zu kaufen. Aber keine grünen Bären pur. Vielleicht sollte mal eine Unterschriftenaktion gestartet werden und dann eine etsprechende Petition bei Haribo eingereicht werden. In der freien Marktwirtschaft ist schließlich letztlich der Kunde der König und bei Vorhandensein eines genügend großen Marktes das ganze kein Problem.

Allerdings ist der Suchtfaktor gerade bei den Grünen extrem hoch. Eine bisher geheim gehaltene Studie des BGMs spricht von einer "statistisch nachgewiesenen psychischen Abhängigkeit des Konsumenten nach einer erschreckend kurzen Zeitspanne". Entsprechende Entzugsprogramme und Ersatzmittel zur Unterstützung des Entzugs sind in der Erprobung, aber noch nicht freigegeben. Also Vorsicht!

Zunächst dachte ich ja, daß der Gummibärverzehr aus obigen Gründen durch staatliche Maßnahmen eingeschränkt werden wird. Aber das Problem scheint sich gerade von selbst zu lösen. Die Bedrohung heißt BSE und ist auch unter dem schönen Namen "Rinderwahnsinnn" inzwischen allgemein bekannt. in England werden gerade Zigtausende von Rindern geschlachtet und entsorgt, weil sie mit dieser Krankheit infiziert sind und diese nach neueren Forschungsergebnissen auch auf Menschen übertragbar ist. Was das mit Gummibären zu tun hat? Nun - der Hauptbestandteil neben Zucker ist Gelantine. Und die wird wohl auch gerne aus Rindern gewonnen. Auf welche Art dies genau geschieht möchte ich lieber nicht wissen. Es könnte mir den Appetit verderben. Und diese Gelantine kann wohl auch den BSE-Erreger transportieren, so daß sich der arglose Konsument plötzlich mit einer tückischen Krankheit infiziert sieht. Die Parallelen zur Lustseuche AIDS sind nicht zu übersehen. Früher wurde häufig mit ruhigem Gewissen wild durch die Gegend gepoppt, da man außer meist harmlosen und vor allem behandelbaren Geschlechtskrankheiten nichts zu befürchten hatte. Schlimmer war da schon der eventuell aufkommende Beziehungsstress. So hat AIDS den freien Sex arg gebeutelt und vor allem die Anhänger der "Neuen Treue" heftigst gemehrt. Uns Gummibärchenverzehrer triffts zum Teil schlimmer: Wie will man BSE verhüten, wenn nicht durch totalen Verzicht? Ein Gummiüberzug nimmt den Bärchen sicher jeglichen Reiz und macht sie gänzlich unverdaulich. Ich fordere daher den Hersteller dazu auf, seine Verantwortung als Monopolist ernst zu nehmen und nur Gummibären, deren Gelantine aus garantiert BSE-freien Rindern erzeugt wurde, unters Volk zu bringen. Alle Verpackungen sollten entsprechend gekennzeichnet werden mit dem Aufdruck: "Wir verwenden garantiert nur Gelantine von Rindern aus deutschen Landen!" Hoffen wir nur, daß sich diese Seuche nicht auch noch hier verbreitet.

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07.05.96 --- PA --- Leserpost --- Startseite